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Was Kinder über Europa denken (26.07.2016)

Altötting/München. Die Hiobsbotschaften für das Friedensprojekt Europa reißen nicht ab: Brexit, mangelnde Solidarität in der Flüchtlingskrise und der Aufstieg von Rechtspopulisten. Die politisch unruhigen Zeiten gehen auch an Schülern nicht spurlos vorbei. Wie denken die Kinder aus der Region über Europa? In einem Schülerwettbewerb gaben sie kreative Antworten – und schnitten bayernweit überdurchschnittlich gut ab.


Das Thema des 63. Europäischen Wettbewerbs hätte nicht aktueller sein können: "Gemeinsam in Frieden leben". Bundesweit waren Schüler aller Altersstufen und Schularten gefordert, ihre Ideen einzureichen: ob als Bild, Text, Film oder Lied. Aus dem Landkreis Altötting haben 193 Schüler mitgemacht. 21 davon wurden am Donnerstag als Landessieger in München geehrt.


"Ihr habt gezeigt, dass ihr voller Umsicht und Mitgefühl seid", begrüßte die Vizepräsidentin der Regierung von Oberbayern, Maria Els, die jungen Besucher im Maximilian-Saal des Regierungsgebäudes. "Ich kann mich nicht erinnern, dass der Saal schon mal so voll war." Denn der Wettbewerb ist beliebt: Deutschlandweit nahmen 77139 Schüler teil, davon rund 22000 in Bayern. Zur Feierstunde eingeladen waren die 91 Schüler aus dem Bezirk mit den besten Ideen zu einem "sehr anspruchsvollen Thema", wie Els betonte: "Mutig sein im Alltag war der Kern des Themas. Es gibt keinen Tag, an dem man nicht irgendetwas über Gewalt liest. Glücklicherweise herrscht innerhalb der EU Frieden."




Wie schnell Gewalt jedoch in das eigene Leben treten kann, machte die Vize-Regierungspräsidentin an einem einfachen Beispiel fest: "Gewalt spielt sich oft im Kleinen ab. Das beginnt schon mit der Frage: Lebe ich mit mir selber in Frieden? Wie verhalten wir uns in der Familie, in der Schulklasse, in der Gesellschaft? Ihr habt vielleicht schon Situationen erlebt, wo jemand ausgegrenzt wurde", sprach sie die Kinder direkt an. "Vielleicht kennt ihr das Gefühl, nicht dazuzugehören."


Eine Schülerin hatte zum Beispiel ein Bild zum Thema Cyber-Mobbing gezeichnet: Ein Mädchen steht allein im Schulhof, während die anderen in Gruppen kichernd um sie herumstehen und schadenfroh auf ihre Handy-Displays schauen. Was darauf konkret zu sehen ist, bleibt der Vorstellungskraft des Betrachters überlassen. Offensichtlich wird das Opfer nicht nur auf dem Schulhof, sondern auch online gemobbt. Realität an vielen Schulen. "Ich hoffe, dass euch solche Erfahrungen erspart bleiben", wünschte Maria Els allen Anwesenden.



Die Schüler verarbeiteten in ihren Werken – die meisten malten Bilder oder schrieben Texte – vor allem eigene Erlebnisse. Gerade das machte den Wettbewerb so spannend: Schließlich tritt jede Altersstufe auf völlig eigene Weise an eine solche Herausforderung heran. Je nach Hintergründen und Vorlieben wählten die Klassen aus den gestellten Aufgaben eine aus. Alles drehte sich dabei thematisch um ein friedliches Miteinander. Die Erstklässler der Grundschule Emmerting-Mehring entschieden sich zum Beispiel für europäische Märchen: Sie zeichneten Szenen aus Hänsel und Gretel, Rapunzel und den Bremer Stadtmusikanten nach. Dadurch sollten sie zeigen, dass das Gute letztlich siegt.



Die Schülerinnen der Fachoberschule Altötting beschäftigten sich hingegen mit der komplexen Frage: "Woran merken wir, dass wir Europäer sind?" Schnell war der Hauptgedanke gefunden: "die Festung Europa", erzählt Kunstlehrerin Johanna Brunner, die das Projekt an der Schule betreut hat. "Im Stil des Pop-Art-Künstlers James Rizzi gaben die Schülerinnen Häusern ein bedrohliches Gesicht." Sie malten Häuser voller Stopp-Schilder. Abschreckend und abwehrend. Davor sieht man den kleinen toten Flüchtlingsjungen Aylan am Strand. Das Originalfoto entstand vergangenes Jahr in der Türkei und wurde binnen Stunden zu einer Ikone für die Abschottung Europas vor den fliehenden Menschen. Die Schülerinnen griffen das Motiv auf und machten es zu einer Anklage der europäischen Abschottung.


"Europa heißt, das Fremde annehmen", formulierte Helmut Tiefenthaler den Appell der Schülerinnen an Toleranz und Offenheit. Bis vor drei Jahren stand der Töginger als Lehrer und Schulleiter noch selbst vor der Klasse. Mittlerweile kümmert er sich als Vorsitzender der Europa-Union im Landkreis Altötting mit Begeisterung um den Europäischen Wettbewerb an den hiesigen Schulen. Sein Dank galt vor allem den Lehrkräften: "Dieser Wettbewerb steht und fällt mit dem Engagement der Klassenleiter und Lehrer." Als Lohn für ihre Leistungen erhielten alle Geehrten einen Büchergutschein und ein kleines Überraschungsgeschenk.


Tiefenthaler hofft auch auf rege Beteiligung im kommenden Schuljahr. Das neue Thema steht auch schon fest: "In Vielfalt geeint – Europa zwischen Tradition und Moderne". Damit sind der Phantasie der Kinder und Jugendlichen – ganz im Sinne eines grenzenlosen Europas – erneut keine Grenzen gesetzt.



DIE PREISTRÄGER

Comenius-Grundschule Töging: Janina Brandt, Melina Gilhuber, Joselin Kümmel, Emily Scholz; Grundschule Emmerting-Mehring: Julia Linzner, Tobias Hüttl, Viktoria Kurz, Julia Kramer, Manuel Rhode; Nikodem-Caro-Volksschule Wald/Hart: Lois Adler, Laura Orthuber, Fabienne Kreuzer, Theresa Windsberger, Simon Scheidt; Max-Fellermaier-Schule Neuötting: Stefanie Maier, Luca Unterhuber, Nadine Müller, Kevin Bachmut, Hanna Grätzl; Berufsoberschule Altötting: Christina Horn, Sieglinde Huber.

(Quelle: ANA - Toni Wölfl vom 23.07.2016)